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Gewalt,
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Stellungnahme des
CJD Vorstands

ANP Projekt

 

CJD Ancient Nature Projekt

1. Vorbemerkung
Das Ancient Nature Projekt ist ein erlebnispädagogisches Projekt im CJD Jugenddorf-Christophorusschule Braunschweig. Berichtet wird von den Erlebnissen und Erfahrungen unseres ersten Jahres. Dieses Projekt wird von Leitern und Jugendlichen zu gleichen Teilen " erschaffen" und mit Leben gefüllt. Es wächst und verändert sich, und solches Wachstum ist Kern des Prozesses. Darum gibt es keine Konzeption im Sinne eines Plans. Wohl aber bewegt uns eine Konzeption im Sinne unserer Motivation für dieses Projekt und der Wirkung, auf die es ankommt. Auf einem heute gängigen T-Shirt steht die Inschrift: More than cash and fun. Wir haben die Überzeugung, dass der Mensch für more than cash and fun bestimmt ist und dass die Sehnsucht für dieses "Mehr" auch unauslöschlich dem Menschen eingeprägt ist. Alles Leben, die ganze Natur sind für uns Gottes Schöpfung. Sich vom Lebendigen anrühren zu lassen und sich ernsthaft in die Begegnung mit der Natur zu begeben, das sind Möglichkeiten, Wege zu sich, aber vor allem auch zu Gott zu finden. Auf diesem Weg in die Natur und auf den Wegen in der Natur eröffnet sich für Menschen die Chance auf Sinngebung. Gerade junge Menschen sind offen für solche Begegnungen mit der Schöpfung. Gottes Geist ist der Hauch alles Lebendigen, dem wir vertrauen. Im Projekt selbst sind religiöse Inhalte nur Thema, soweit sie von den Jugendlichen selbst angestoßen werden. Aber diese Rückbindung an unsere letzte Wahrheit ist wirksam in die Motivation und Haltung der Projektleiter.
 

 

2. Was ist das Ancient Nature Project?
Eingebettet in die neue reformpädagogische Bewegung das 21. Jarhunderts handelt es sich bei dem ANP im weitesten Sinne um ein erlebnispädagogisches Projekt, welches versucht, durch Naturerlebnisse in den Jugendlichen Sinngebungsprozesse zu initiieren. Dabei kann als Medium in erster Linie Wildnistraining angeführt werden, was zwar eine erste Vorstellung des Projektes ermöglicht, aber auch eine inhaltliche Reduzierung darstellt. Tatsächlich wird versucht, auf der Ebene transkulturellen Wissens und alter Lebens-Techniken ein "Erleben" zu ermöglichen, welches sowohl Antworten auf Fragen der Selbstfindung inspiriert, als auch Gedanken zur eigenen Haltung zur Natur, zur Welt und all ihrer Bewohner aufwirft. Die inhaltliche Arbeit unterteilt sich maßgeblich in zwei Kerngebiete. Zum einen wurde in der Anfangsphase die althergebrachte Kommunikationstruktur des Redestabs erarbeitet, welche allen Teilnehmern die Möglichkeit und den Schutz bietet, die Empfindungen und Eindrücke des Erlebten auszudrücken. In diesem Zusammenhang haben auch Singen und Geschichtenerzählen einen wesentlichen Anteil am Projekt. Auf der anderen Seite gibt es das konkrete Erleben, indem wir versuchen, über Hüttenbauen, Wahrnehmungsspiele, Spurensuche, Bogenschießen, Feuer mit der Spindel machen, Pflanzen bestimmen und primitiven Werkzeugbau in eine Welt einzutauchen, in der die Menschen noch Jäger und Sammler waren und in Stammesverbänden umherzogen. Im ANP waren wir im Winter biwaken, haben Schutzhütten gebaut, in denen wir übernachteten, kochten auf offenem Feuer und "bereicherten" unseren Eintopf mit essbaren Pflanzen. Wir treffen uns regelmäßig einmal pro Woche und fahren so oft wie möglich für ein Wochenende in die Naturlandschaften von Harz und Elm. In den dunkleren Monaten haben wir gemeinsam ein Banner genäht, auf dem diejenigen Jugendlichen verewigt sind, die an den jeweiligen Herausforderungen der Jahreszeiten teilgenommen haben. Die Herausforderungen werden im Folgenden beschrieben. Dieses Banner (Ehrentuch) ist auf dem Deckblatt dargestellt.


3. Beschreibung ausgewählter Aktionen
3.1 Großvater Kälte
Großvater Kälte ist ein Segment des Projektes, das sich in der inhaltlichen Arbeit maßgeblich mit der Jahreszeit des Winters befasst. Bei den Lebenstechniken haben wir vorangig an dem Bau von Schutzhütten, dem Prinzip des Lofts und anderer Isoliertechniken gearbeitet. Auch Tierbeobachtungen und das Wissen über verschiedene Überwinterungsmöglichkeiten der Tiere waren ein Teil dieser Zeit.

 

3.2 Großmutter Feuer
Großmutter Feuer hat einen Aspekt des Projektes dargestellt, in dem wir sehr intensiv versucht haben, dem Wesen des Feuers zu begegnen und seine Bedeutung für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit zu verstehen. Inhaltlicher Schwerpunkt unseres Arbeitens bildeten die Übungen: "Ein-Streichholz-Feuer", Sturmfeuer/Sternfeuer und Spindelfeuer / Handdrill. Um mit der Spindel Feuer zu machen, muss man erst lernen, aus natürlichen Materialien (z. B. Gräser, Pferdehaare) ein Seil zu flechten. Auch das Ausprobieren, mit welchem Gehölz das Feuer am besten zu entzünden ist, dauert lange und birgt ein besonderes Verstehen der Natur in sich. Verschiedene Feuertechniken und Gedanken zur Sicherheit sind wichtiges Wissen, das wir teilen. Beim Feuermachen wird die Grundidee des Projektes am deutlichsten erkennbar. In Zeiten, in denen Streichhölzer und Feuerzeuge überall verfügbar sind, stellt sich die Frage, welcher praktische Nutzen sich aus dem Feuermachen auf die alte Art ergibt. Hat man jedoch einmal Feuer mit der Spindel aus dem "Nichts" heraus erschaffen, bleibt eine tiefe Erinnerung in der Seele zurück, welche einhergeht mit dem Selbstvertrauen und dem Zutrauen in die eigenen Schaffenskräfte. Somit ist uns das Wesen des Feuers am deutlichsten begegnet in dem ganzheitlichen Verständnis, in welcher Art und Weise unsere gesamte Zivilisation, unsere ganze Mythologie und unser Denken und Fühlen beeinflußt sind vom Feuer.

 

3.3 Die Lehrer ohne Stimme
Die Lehrer ohne Stimme beschreiben einen Komplex von Erfahrungen und Erlebnissen im Zusammenhang mit der Natur und den Primitivkulturen. Das Sprechen und Schweigen mit dem Redestab, das stille Verweilen an einem Sitzplatz, das Kennen und Verstehen von essbaren Pflanzen oder das bewußte Verzichten auf Nahrung im Fasten, können als einige wenige Beispiele aus dem grossen Bereich des Erfahrungskontextes angeführt werden. All dies sind Erfahrungen. Niemand steht vor der Gruppe und vermittelt ein Wissen, welches lediglich mit dem Kopf verstanden und erfaßt werden muß. Es gibt kein Bewerten dieser Erfahrungen, da die tiefen Wahrheiten des Lebens sich jedem einzelnen aus sich selbst heraus eröffnen. Die Betreuer haben im Winter genauso kalte Füße wie die Jugendlichen, und jeder lernt auf seine Art und Weise, den Wert einer Dusche neu zu entdecken nach einem nasskalten Wochenende draußen im Herbst. All diese Dinge brauchen keine Sprache und bringen auf seelischer und emotionaler Ebene jeden Einzelnen heran an das eigene Leben und all das Leben, das uns umgibt. Die Lehrer ohne Stimme durchziehen als Essenz das gesamte Projekt.

3.4 The Right of passage
"Das Recht des Übergangs" ist ein Teil des Projektes, der in die Zukunft weist und im vergangenem Jahr noch nicht konkret geworden ist. Seit Tausenden von Jahren werden durch die gesamte Menschengeschichte transkulturell verschiedene Lebensphasen und Abschnitte in besonderer Art und Weise bewußt gemacht und gefeiert. Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch in dem bewußten Leben und Erleben der Natur Antworten und Zusammenhänge auf zentrale Lebensfragen und Veränderungen erhalten kann. So soll der Aspekt des "Right of passage" ein Angebot werden, in dem Jugendliche ganzheitlich den Übergang zum Erwachsenwerden erleben und Hinweise auf ihren Platz im Leben erhalten können.

 

 

4. Die Jugendlichen
Grundsätzlich kann an dem CJD ANP jeder Jugendliche teilnehmen, der im Internat des Jugenddorfes Braunschweig lebt. Im vergangenem Jahr hatten wir eine Gruppe, die zu gleichen Teilen aus Mädchen und Jungen bestand. Dabei sind wir oftmals auf Phänomene gestoßen, die unserem tradierten Rollenverständnis entsprechen. So scheint es manchmal, dass Mädchen sich beim Geschichtenerzählen leichter öffnen können und Jungen gerne mit Feuer umgehen. Viel häufiger haben wir jedoch Phänomene erlebt, die einer klassischen Sichtweise widersprechen. Wir haben Mädchen erlebt, die mit Inbrunst Feuerholz sägen und hacken, Bogenschießen und im Dreck spielen, und Jungen gesehen, denen es sehr am Herzen liegt, ihre Hütte aus Zweigen und Laub innen schön einzurichten. Dies hat uns nicht erstaunt, sondern einfach nur gefreut.

 

 

5. Der Leiter
Humphry Lutz Schwark, arbeitet seit fast 10 Jahren als Pädagoge im CJD Braunschweig. Zuvor hat er Erfahrungen in der erlebnispädadogischen Arbeit im In - und Ausland sammeln können. Er ist Schüler der Tom Brown Jr. Wildnisschule und lernte und lernt unter verschiedenen afrikanischen, nordamerikanischen und europäischen Ältesten. Er ist Crossroad Instructor der forju Akademie in Zusammenarbeit mit der "School of lost boarders Germany" und Mitglied des Ubuntu Arbeitskreises Deutschland. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Unterstützung der männlichen Identitätssuche und zeitgemäßer initiatischer Jugendarbeit.