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CJD aktuell

 

Gewalt,
sexuelle Belästigung und sexueller Missbrauch haben im CJD keinen Platz


Stellungnahme des
CJD Vorstands

Geschichte

 

Zur Geschichte

Die Aera des Erziehungsheimes auf dem Gelände der Stiftung Knabenhof bei St. Leonhard geht im Frühjahr des Jahres 1977 zu Ende. Ab Juli 1977 beginnen neu Schule und Internat als Zweigstelle der Jugenddorf-Christophorusschule Elze. Sechs Jugendleiterinnen und Jugendleiter aus der Vorgängereinrichtung werden übernommen. Der Start erfolgt mit 8 Jugendlichen im Jungenhaus und 12 Schülerinnen im Mädchenhaus. Im Laufe des Jahres wachsen die Schülerzahlen im Internat zügig an. In den folgenden Jahren kommen ca. 20 junge Süd-Vietnamesen dazu, denen als boat-people die Flucht übers Meer gelungen war. Der Unterricht wird erteilt in einer Baracke auf dem hinteren Jugenddorfgelände. Es wird mit einem Schulneubau begonnen und externe Anmeldungen von Kindern und Jugendlichen können erfolgen. "Erster Jugendleiter" und damit zuständig für die pädagogische Leitung des Internats wird Alfred Schlicker. Er wird abgelöst von Willi Körber. Als dieser Jugenddorfleiter des Jugenddorfs Hannover-Leinhausen wird, setzt Herr Holzem die Arbeit fort bis er nach mehrjährigem Wirken das Jugenddorf Wittenstein übernimmt. Anfang der 90er Jahre arbeitet sich Herr Vassel in diese Position ein, folgt aber schon nach einem guten halben Jahr dem Ruf in die Leitung des Jugenddorfs Wöltingerode am Rande des Nordharzes. Karin Wüstrich übernimmt kommisarisch die Pädagogische Leitung bis ab Sommer 92 Wendelin Leinhäuser in der Position des Stellvertretenden Jugenddorfleiters mit der Internatsleitung betraut wird. Mittlerweile wurde ein weiterer Neubau auf dem Gelände errichtet. Neben zusätzlichen Klassen- und Fachräumen bietet er im Dachgeschoss Platz für 21 Abiturientinnen und Abiturienten. Gut 100 junge Menschen leben Anfang der neunziger Jahre im Internat. Sehr bald beginnt eine Zusammenarbeit mit Jugendämtern in der gesamten Republik, die geeignete Unterbringungs- und Fördermöglichkeiten für besonders begabte Mädchen und Jungen suchen, die aus den verschiedensten Gründen Probleme in ihrer Herkunftsfamilie oder ihren Schulen haben. Aus diesen Anfängen entwickelt sich zum Ende des Jahrzehnts eine Jugendhilfeeinrichtung mit 35 Plätzen, die jedoch vollständig in den Internatsbereich integriert werden kann, so dass kein Zweiklassensystem entsteht. Die Bemühungen, durch eine kleine, eng betreute Maßnahme außerhalb des Hauptgeländes auch ein Angebot für begabte Schulverweigerer anzubieten, werden nach eineinhalb Jahren in dieser Form aufgegeben. Die Schwierigkeiten, die manche der Jugendlichen mitbrachten, waren innerhalb der bestehenden Strukturen nicht zu bewältigen. Heute zählt der Jugendhilfebereich 56 Plätze; zusammen mit dem Internat kann der Wohnbereich 144 Jugendlichen einen Platz bieten. Neben der Unterbringung in den Häusern auf dem Hauptgelände sind die betreuten Wohngemeinschaften in Nähe des Jugenddorfs beliebte Wohnformen für Jugendliche geworden, die bereit und fähig sind, einen Teil Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Wenn man vergleicht, wie Kinder oder Jugendliche bei uns ankommen, welche elementaren Schwierigkeiten es anfangs im sozialen Umgang miteinander gibt, welch negative Haltung der Schule gegenüber herrscht - und wie diese jungen Menschen uns als Abiturienten verlassen, welchen Kompetenzgewinn in allen Bereichen sie sich erarbeiten konnten, sind auch gestandene Sozial- und Schulpädagogen immer wieder überrascht. Auch wenn die eine oder der andere "Neue" das Leben im Internat zunächst nur in Kauf nimmt, um das schulische Angebot wahrnehmen zu können, erfüllt der Wohnbereich doch wesentliche spezifische Funktionen für die soziale Integration und die Persönlichkeitsentwicklung dieser jungen Menschen.

Soziale Integration

Der Umgang mit Gleichaltrigen ist bei manchen Jugendlichen nicht eingeübt. Häufig haben sie schon als Kinder etwa aufgrund ihrer hohen kognitiven Fähigkeiten andere Interessen ausgebildet, als dies ihre Altersgenossen taten. So wurden sie früh zu Spezialisten in Wissensgebieten, die für Gleichaltrige bedeutungslos waren. Aber auch schon die ganz alltägliche Kommunikation konnte aufgrund der tieferen Durchdringung von Alltagsproblemen und der Fähigkeit, Querverbindungen zu ziehen und Transfers zu leisten, zur Distanz zwischen Hoch- und Normalbegabten beitragen. Häufig erleben diese Kinder bei uns zum ersten Mal, dass sie mit ihren besonderen Problemen nicht allein dastehen; viele andere haben ähnliches durchgemacht. Die SozialpädagogInnen haben Verständnis für besondere Bedürfnisse und lassen sich in bestimmtem Maße auf die ausdauernden Diskussionen und das Hinterfragen von Selbstverständlichkeiten ein. In diesem Umfeld kann man auch ausgefallene Hobbies pflegen, Gedichte lesen oder klassische Musik hören, ohne auf Unverständnis zu stoßen oder für die Schule arbeiten, ohne als Streber zu gelten. Durch die relativ große Auswahl an hochbegabten Altersgenossen steigt die Chance, endlich eine Freundin oder einen Freund zu finden. Durch die ständige Konfrontation mit Normalbegabten entwickelt sich im Laufe der Zeit eine realistische Erwartungshaltung und ein soziales Miteinander. Die SozialpädagogInnen sind behilflich beim Knüpfen der ersten Kontakte und der konstruktiven Verarbeitung der neuen Erfahrungen.

Veränderung des Selbstkonzepts

Die beginnende Integration in eine soziale Gemeinschaft, verständnisvolle und hilfreiche Erwachsene, sind wesentliche Voraussetzungen, um eine Korrektur des oft negativen Selbstkonzepts einzuleiten. Junge Menschen erfahren dabei, dass sie angenommen, geachtet und wertgeschätzt werden, müssen aber auch ihre Grenzen im Vergleich mit anderen anerkennen lernen und allmählich wieder eine Bereitschaft entwickeln, sich für selbstgesteckte Ziele anstrengen zu wollen. Durch die ständige Interaktion mit den Jugendlichen im Wohnbereich und den rund um die Uhr anwesenden SozialpädagogInnen erhält jedes Mädchen und jeder Junge sofort verbale und nonverbale Rückmeldungen, wie sein Verhalten auf andere wirkt und bewertet wird. Ein Rückzug aus diesen Vergleichen und Interaktionen ist in der Wohngemeinschaft kaum möglich. Auseinandersetzungen dieser Art werden von den meisten Jugendlichen im Grunde sogar gesucht. Hier sind wieder die SozialpädagogInnen gefragt, um dem Einzelnen auch den notwendigen Schonraum und emotionalem Rückhalt zu geben, damit er genügend Zeit hat, ein stabiles und realistisches Selbstbild zu entwickeln.

Hilfen zur Persönlichkeitsentwicklung

Erst wenn ein gewisser Gleichklang in der intellektuellen, der emotionalen, sozialen, ethischen sowie der musisch-künstlerischen Entwicklung entsteht, kann eine Person kompetent und verantwortlich handeln und leben. Um diesem Ziel nahe zu kommen, bieten wir Einzelgespräche und in Zusammenarbeit mit unseren Psychologen soziale Gruppenarbeit an, in der Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit trainiert werden und die Auseinandersetzung mit ethischen Werten stattfindet. Auch muss sich bei uns jeder Jugendliche in irgend einer Weise sozial engagieren, sei es in praktischen Diensten, sei es in der Mitverantwortung oder in der Oberstufe als Mentor für Jüngere. Die Hilfestellung der SozialpädagogInnen besteht schlagwortartig zusammengefasst in: Begleitung, Beratung, Verhaltenstraining. Ebenso wie die LehrerkollegInnen sind sie bereit, sich auch auf tiefergehende Fragen der jungen Menschen einzulassen und mit ihnen zusammen Antwortmöglichkeiten aus dem christlichen Glauben heraus zu entwickeln, damit die Jugendlichen ihren eigenen Standpunkt finden können. Eltern bestätigen uns immer wieder spürbare Fortschritte ihrer Kinder schon nach einigen Monaten. Es lässt sich ein Entwicklungsschub zu mehr Selbständigkeit, größerem Verantwortungsbewusstsein im sozialen Bereich aber auch der eigenen Zukunft gegenüber wahrnehmen.

Internat ist mehr als Schule; Internat greift weiter in den Alltag hinein als die Familie, der Verein, die Clique. Zum Internat gehören Schule, Freizeit und Gemeinschaft untrennbar zusammen. Das Leben wird als Ganzheit erlebt: der Zusammenhang zwischen Unterricht, Pause, Arbeitsgemeinschaften, frei verfügbarer Zeit, Treffen in der Clique und Zeit für den persönlichen Rückzug ist unmittelbar einsichtig. Gemeinsame Regeln und Rituale, miteinander geteilte Freude und Leid verbinden und machen die gegenseitige Abhängigkeit offenkundig. Da man einander auf Dauer nicht ausweichen kann, muss man lernen, Rücksicht zu nehmen, aber auch sich durchzusetzen, sowie auch mit denen auszukommen, die einem nicht auf Anhieb liegen. Durch das tägliche Reiben mit Erwachsenen und Gleichaltrigen kann die Entwicklung eines starken und realistischen Selbstbewusstseins unterstützt werden. Purer Egoismus hat hier auf Dauer keine Chance. So vermittelt das Leben im Internat in alltäglicher Selbstverständlichkeit die Erfahrung von Gehaltensein und anderen Halt bieten, von Geben und Nehmen, von Kompromissbereitschaft und Widerstand leisten, von sich anpassen und eigenes Profil zeigen.

Damit erweist sich der Wohnbereich der CJD Jugenddorf-Christophorusschule Braunschweig über die Notwendigkeit der reinen Unterbringung auswärtiger Schüle-rinnen und Schüler hinaus als integraler Bestandteil einer ganzheitlichen Förderung und Erziehung von gymnasialfähigen intellektuell besonders begabten Kindern und Jugendlichen im Sinne eines Leitsatzes des CJD:
 
Jedem seine Chance